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EUROPÄISCHE DEKLARATION ÜBER LEBENSMITTEL, LEBENSMITTELTECHNOLOGIE, UND ERNÄHRUNG

Präambel
Wir, die Teilnehmer am „First European Food Congress“ (Ljubljana, Slovenien, 2008) befürworten die FAO/WHO-Deklaration über Ernährung (Declaration of Nutrition, Rome, 1992) und die WHO-Deklaration über Nahrungsmittelsicherheit (Bejing, 2007). Mit dieser Deklaration möchten wir auf die Belange der Lebensmittel, der Lebensmitteltechnologie, und der Ernährung, die für Europa von Bedeutung sind, aufmerksam machen.

ZIELGRUPPE
Die Europäische Deklaration über Lebensmittel, Lebensmitteltechnologie und Ernährung zielt auf den europäischen Verbraucher, die Gesetzesgeber, Wissenschaftler, die europäische Lebensmittelindustrie, und andere betroffene Akteure ab.

LEBENSMITTEL UND ERNÄHRUNG
Nahrung ist wichtig für das Wachstum, die Entwicklung, und andere Funktionen des menschlichen Körpers. Eine gute Ernährung setzt eine ausbalancierte Diät mit sämtlich notwendigen Nährstoffen und ausreichendem Energiegehalt voraus. Nahrung muss sicher sein, reich an Nährstoffen, und muss in einer Weise verfügbar und nachhaltig sein, dass sie die Würde des Konsumenten und dessen kulturelle Identität bewahrt.

EUROPÄISCHE LEBENSMITTELFORSCHUNG, LEBENSMITTELTECHNOLOGIE, UND ERNÄHRUNG
Die Verbindung von Grundlagenforschung und angewandter Forschung ermöglichte europäischen Experten für Lebensmittel- und Ernährungsforschung sowie der Lebensmitteltechnologie eine kontinuierliche Verbesserung der Erzeugung, Konservierung, Verarbeitung, Lagerung und Verteilung von Lebensmitteln sowie der Ernährung und des allgemeinen Wohlbefindens. Darüber hinaus haben sich europäische Experten in vielen wissenschaftlichen und professionellen Verbänden organisiert. Diese sind normalerweise in einzelnen Ländern angesiedelt, aber auch in Regionen mit ähnlichen Ernährungsgewohnheiten und sind entweder allgemeiner Natur, oder bestehen aus einzelnen wissenschaftlichen und professionellen Disziplinen wie Biologie, Chemie, Biochemie, Biotechnologie, Mikrobiologie, Ingenieurswissenschaften, Ernährungsforschung, medizinische Forschung, und anderen nahestehenden Forschungsrichtungen.
Ziel dieser Deklaration ist es, einen Fokus für all diese Disziplinen zu schaffen, und der Bevölkerung von Europa, sowie der wissenschaftlichen Gemeinschaft, den Politikern, Gesetzgebern und der Industrie in optimaler Weise zu dienen. Diese Verzahnung wird es Europa ermöglichen, erfolgreich am internationalen Markt zu sein, die Verfügbarkeit von gesunder Nahrung zu erhöhen, und eine weltweite Vorbildfunktion in punkto wissenschaftlicher Qualität und Integrität einzunehmen.

VERNETZUNG EUROPÄISCHER LEBENSMITTELFORSCHUNG, LEBENSMITTELTECHNOLOGIE, UND ERNÄHRUNG
Diese Deklaration versucht, den wissenschaftlichen Dialog zwischen europäischen Lebensmittel- und Ernährungsforschern sowie Lebensmitteltechnologen anzustoßen. Ziel ist es, Maßnahmen zur verstärkten künftigen Integrierung der einzelnen Fachgebiete zu ergreifen. Ein zweiter Punkt ist die Förderung der Harmonisierung der Europäischen Lebensmittelindustrie, Nahrungsmittelqualität und Sicherheitsstandards. Alle diese Initiativen können helfen, den wachsenden Einfluss der Lebensmittel- und Ernährungsforschung, sowie der Lebensmitteltechnologie, auf technologische, wissenschaftliche, politische, Umwelt- und soziale Strukturen in Europa zu unterstützen.

HERAUSRAGENDE PROBLEME
Diese Deklaration soll vornehmlich die Debatte über folgende Themen stimulieren:
- Nahrung ist eine sehr wichtige strategische und politische Angelegenheit;
- Die mikrobiologische, chemische, oder physikalische Kontamination der Nahrung sowie Lebensmittelallergene bleiben ein Hauptproblem des Gesundheitswesens;
- Die regionale Produktion von Nahrungsmitteln beeinflusst die örtliche Kultur, sichert biologische Vielfalt, und trägt zur regionalen sozialen und ökonomischen Stabilität bei;
- Der Transport über lange Distanzen hinweg kann zu verminderter Nahrungsmittelqualität und negativen Effekten auf die Umwelt führen;
- Nahrung hat eine essentielle Rolle in der Schaffung und Aufrechterhaltung gesunder Verzehrsgewohnheiten als Teil einer gesunden Lebensführung während der gesamten Lebensspanne;
- Die ansteigenden Fälle von Übergewicht und chronischen nicht ansteckenden Krankheiten, die mit der Ernährung in Zusammenhang gebracht werden, sind ein Hauptproblem des Gesundheitswesens und verursachen hohe soziale Kosten;
- Ausbildung und gegenwärtiger Wissenstransfer in diesem Gebiet sind nicht adäquat für den Konsumenten um informierte Entscheidungen zu treffen;
- Ausbildung und Training aller betroffenen Personen der Nahrungskette stellen eine hohe Herausforderung dar.

BEIZUBEHALTENDE UND ZU FÖRDERNDE GRUNDREGELN
Eine sichere und nährstoffadäquate Nahrung ist ein Grundrecht eines jeden Konsumenten;
- Jedermann hat das Anrecht auf glaubwürdige Informationen über Lebensmittel, Nahrung, und ihre Gesundheitsaspekte;
- Nahrungsmittelerzeugung, Verarbeitung, Transport und Verteilung muss in einer nachhaltigen Weise durchgeführt werden, unter Berücksichtigung von Umwelt-, sozialen-, ethischen sowie regulativen Gesichtspunkten wie Rückverfolgbarkeit;
- Technologische Errungenschaften in der Herstellung für Nahrung für bestimmte Zielgruppen mit speziellen Ernährungsanforderungen sind wünschenswert;
- Ehrlicher und angebrachter Kennzeichnung von Lebensmitteln in Kooperation mit der Lebensmittelindustrie und den Anforderungen des Gesetzgebers sollte Folge geleistet werden;
- Verständliche und auf wissenschaftlichen Tatsachen beruhende Medienkommunikation ist eine essentielle Notwendigkeit;
- Adäquate Ernährung und eine gesunde Lebensführung haben zentrale Bedeutung in der Prävention von Krankheiten und sollten gefördert werden;
- Jedermann hat das Anrecht auf frühe Bildung über Lebensmittel und Ernährung, um Verantwortung für die eigene Gesundheit und eine angemessene Wahl der Nahrung zu entwickeln;
- Leiter in der Lebensmittelindustrie müssen den Bedarf an Expertise in Nahrungs- und Lebensmittelsicherheit anerkennen und sicherstellen, dass adäquate Mittel für die Zusicherung von Lebensmittelsicherheit vorhanden sind.

ZENTRALE MAßNAHMEN
Diese Deklaration schlägt die folgenden zentralen Maßnahmen vor:
- Nahrungsmittelproduzenten, Verarbeiter, und Händler sollten, zusätzlich zu gesetzlichen Vorschriften auch ethische Kriterien in alle Prozesse der Nahrungskette miteinbeziehen;
- Experten sollten in Übereinstimmung mit professionellen und ethischen Richtlinien arbeiten;
- Regierungen und andere verantwortliche Behörden sollten die gesetzlichen Vorschriften zwischen nationalen Lebensmittelrechten harmonisieren um schneller anpassungsfähig für zukünftige globale Änderungen zu sein;
- Regierungen und andere verantwortliche Behörden sollten nationale Lebensmittel Vorschriften entwickeln, die soziale und kulturelle Differenzen, Erfahrungen und spezifische Bedürfnisse mit berücksichtigen;
- Alle Verantwortlichen im Bereich Lebensmittelforschung, Nahrung, und Technologie sollten sich für die Errichtung eines Ausbildungssystems einsetzen, welches zu besser informierten Konsumenten durch effektiven Wissensaustausch führt;
- Jedermann sollte in der Lage sein, Verantwortung für seine Gesundheit und für eine angebrachte Nahrungswahl zu übernehmen;
- Die Unterzeichnenden werden alles in Ihrer Macht stehende tun um sicherzustellen, dass die in dieser Deklaration dargelegten Grundsätze erreicht werden können.

Unterzeichnet durch
Professor Peter Raspor, Präsident des „First European Food Congress“, stellvertretend für das Kongress-Botschafter Komitee aus 41 Europäischen Ländern.

Der Text dieser Deklaration wurde durch das Komitee der Kongress-Botschafter oder Ihrer Vertreter europäischer Länder erstellt. Die Deklaration wurde im Rathaus von Ljubljana am 7 November 2008 unterzeichnet.

Ilirjana Boci vertreten durch Haxhi Allmuca, Albanien; Ashot Saghiyan, Armenien, Wolfgang Kniefel vertreten durch Gerhard Schleining, Österreich; Koen Dewettinck vertreten durch Bart Heyman, Belgien; Čaklovica Faruk, Bosnien-Herzegowina; Iordanka Alexieva vertreten durch Laska Rangelova, Bulgarien; Mate Bilić ersetzt durch Martina Piasek, Kroatien; Athina Panayiotou, Zypern; Jana Hajšlová, Tschechische Republik, Henning Otte Hansen, Dänemark; Toomas Paalme, Estland; Anu Kaukovirta-Norja vertreten durch Helena Pastell, Finnland; Paul Colonna vertreten durch Michel Franck, Frankreich; George Kalantzopoulos ersetzt durch Ioannis Samelis, Griechenland; Giorgi Kvesitadze ersetzt durch Tinatin Sadunishvili, Georgien; Sabine Kulling, Deutschland; András Salgó, Ungarn; Inga Thorsdottir, Island; Francis Butler vertreten durch Brian McKenna, Irland; Rosangela Marchelli, Italien; Daina Karklina ersetzt durch Aija Mengaile, Lettland; Rimantas Venskutonis, Litauen; Torsten Bohn, Luxemburg; Vladimir Kakurinov, Mazedonien; Anna McElhatton, Malta; Slavko Mirecki, Montenegro; Bernd van der Meulen, Niederlande, Wenche Frølich, Norwegen; Włodzimierz Grajek, Polen; Xavier Malcata vertreten durch Ana Oliveira Madsen, Portugal; Mona Popa, Rumänien; Iosif Rogov, Russland; Miomir Nikšić, Serbien; Peter Šimko vertreten durch Norbert Bomba, Slovakia; Božidar Žlender, Slovenien; Manuel Vázquez, ersetzt durch Ascension Marcos, Spanien; Anne-Marie Hermansson, Schweden; Klaus Zimmermann ersetzt durch Yasmine Motarjemi, Schweiz; Fatih Yildiz, Turkei; Sergey Fedosov, Ukraine; David White, UK